Glossar
Glossar Kfz-Diagnose: DTC, PID, CAN, Readiness und weitere Begriffe einfach erklärt
Auf Verpackungen und in Apps stehen Abkürzungen wie DTC, PID, CAN oder Readiness, erklärt werden sie selten. Dieses Glossar übersetzt die wichtigsten Begriffe der Fahrzeugdiagnose in einfache Sprache, mit Quellen am Seitenende.
Die Begriffe unten sind alphabetisch sortiert. Die Erklärungen stützen sich auf Datenblätter, Anleitungen, Gesetzestexte und Wikipedia; Normen nennen wir nur als Bezug.
Wie die Begriffe zusammenhängen
Die meisten Fachwörter beschreiben einen von drei Bereichen:
| Bereich | Begriffe | Worum es geht |
|---|---|---|
| Verbindung | OBD-Buchse, CAN-Bus, K-Leitung, ELM327, Pass-Thru | Wie das Diagnosegerät überhaupt mit dem Auto spricht |
| Daten | DTC, Fehlerspeicher, Freeze Frame, Live-Daten, PID, Readiness, permanenter Fehlercode | Was das Auto speichert und meldet |
| Eingriffe | Servicefunktion, bidirektionaler Test, Codierung | Was ein Gerät im Auto verändern oder auslösen kann |
Jedes OBD2-Gerät liest bei OBD-pflichtigen Autos die genormten Motor-Fehlercodes. Ob ABS, Airbag, Service oder Codierung gehen, hängt von Marke, Modell und Gerätesoftware ab. Welche Geräteklasse wofür taugt, erklären OBD2-Codeleser, OBD2-Adapter und Diagnosegerät mit Servicefunktionen.
Warum so viele englische Abkürzungen?
Die On-Board-Diagnose stammt aus den USA: Die erste Generation hat laut BGS-Anleitung die kalifornische Luftreinhaltebehörde (California Air Resources Board) 1988 eingeführt. Die Normen, auf die sich auch die europäische Richtlinie stützt, kommen von SAE und ISO. Deshalb heißen Fehlercodes DTC, Messwert-Kennungen PID und die Warnleuchte MIL – auch im deutschen Menü vieler Geräte. Hersteller übersetzen die Begriffe unterschiedlich: BGS schreibt etwa „Standbild“ für Freeze Frame und „I/M-Prüfbereitschaft“ für Readiness.
Drei Begriffe, die oft verwechselt werden
Fehlerspeicher löschen und Fehler beheben sind zwei verschiedene Dinge. Löschen setzt nur den Speicher zurück; bleibt die Ursache, setzt das Steuergerät den Code nach einigen Fahrzyklen erneut. Der Freeze Frame geht verloren, die Readiness-Tests stehen wieder auf offen. Wie du richtig vorgehst, steht unter Fehlerspeicher auslesen.
Diagnosegerät und Batterietester klingen ähnlich, messen aber Verschiedenes: Das Diagnosegerät liest Daten aus den Steuergeräten, der Batterietester prüft Batterie, Anlasser und Ladesystem an den Polen. Mehr dazu auf der Seite Batterietester.
Codierung und Servicefunktion: Eine Servicefunktion führt einen vom Hersteller vorgesehenen Ablauf aus, etwa das Zurücksetzen der Serviceanzeige. Eine Codierung ändert dauerhaft Einstellungen eines Steuergeräts – mit möglichen Folgen für Betriebserlaubnis und Garantie.
Wie Fehlercodes aufgebaut sind, zeigt die Seite Fehlercodes; was die gelbe Warnleuchte bedeutet, erklärt Motorkontrollleuchte. Antworten auf typische Fragen stehen unter Fragen und Antworten, alle Geräteklassen im Überblick auf der Startseite.
- Bidirektionaler Test (Aktivtest, Stellgliedtest)
- Das Diagnosegerät liest nicht nur, sondern steuert ein Bauteil gezielt an, etwa ein Ventil, damit man hört oder misst, ob es reagiert. HELLA nennt den Stellgliedtest als einen Prüfschritt beim AGR-Ventil, sofern das System ihn unterstützt. Reine Codeleser können das nicht.
- CAN-Bus
- Das heute übliche Datennetz, über das Steuergeräte miteinander und mit dem Diagnosegerät sprechen. In der OBD-Buchse liegt CAN auf Pin 6 und Pin 14; das zugehörige OBD-Protokoll ist in ISO 15765-4 genormt.
- Codierung
- Das Ändern gespeicherter Einstellungen in einem Steuergerät, etwa um eine Funktion ein- oder auszuschalten. Nach § 19 Abs. 2 StVZO erlischt die Betriebserlaubnis, wenn eine Änderung eine Gefährdung erwarten lässt oder das Abgas- oder Geräuschverhalten verschlechtert – das gilt auch für Codierungen.
- DTC (Diagnostic Trouble Code, Fehlercode)
- Der Code, den ein Steuergerät bei einer erkannten Störung ablegt, zum Beispiel P0420. Der Buchstabe nennt das System (P Antrieb, C Fahrwerk, B Karosserie, U Netzwerk), die erste Ziffer, ob der Code genormt (0) oder herstellerspezifisch (1) ist. Normbezug: SAE J2012 / ISO 15031-6.
- ELM327
- Ein Mikrocontroller von Elm Electronics, der zwischen Fahrzeug und Computer oder App übersetzt. Viele günstige Bluetooth-, WLAN- und USB-Adapter sind ELM327-kompatibel. Der Chip versteht die genormten OBD-Modi; was ein Adapter am Ende kann, hängt von der App ab.
- EOBD
- Die europäische On-Board-Diagnose, das Gegenstück zur US-amerikanischen OBD II. Beide überwachen abgasrelevante Bauteile und nutzen dieselbe 16-polige Buchse. In der EU führte die Richtlinie 98/69/EG (heute aufgehoben durch die Verordnung (EG) Nr. 715/2007) die OBD für Pkw ein.
- Fehlerspeicher
- Der Speicher im Steuergerät, in dem Fehlercodes abgelegt werden. Laut Wikipedia wird ein Fehler erst eingetragen, wenn er über eine Entprellzeit hinaus besteht. Das Löschen setzt nur diesen Speicher zurück, nicht die Ursache.
- Freeze Frame (Standbild, Umgebungsdaten)
- Eine Momentaufnahme wichtiger Messwerte wie Drehzahl oder Temperatur in dem Moment, in dem ein Fehlercode gesetzt wurde. Sie hilft bei der Ursachensuche. Wer den Fehlerspeicher löscht, löscht laut ELM327-Datenblatt auch diese Daten.
- K-Leitung
- Die ältere, langsamere Diagnoseleitung vor dem CAN-Bus, genormt in ISO 9141-2 und ISO 14230-4 (KWP2000). In der OBD-Buchse liegt sie auf Pin 7 und Pin 15.
- Live-Daten (Echtzeitdaten)
- Messwerte, die das Steuergerät laufend liefert, etwa Kühlmitteltemperatur, Drehzahl oder Lambdasondenspannung. Diagnosegeräte zeigen sie als Zahl oder Kurve an; welche Werte es gibt, hängt vom Fahrzeug ab.
- Motorkontrollleuchte (MIL)
- Die gelbe Warnleuchte im Kombiinstrument, die bei abgasrelevanten Störungen angeht. Die Richtlinie 98/69/EG verlangt eine für den Fahrer gut erkennbare Fehleranzeige; englisch heißt sie Malfunction Indicator Lamp.
- OBD-Buchse (Diagnoseschnittstelle, DLC)
- Die genormte 16-polige Buchse im Innenraum, meist im Fahrerfußraum. Pin 4 ist Fahrzeugmasse, Pin 5 Signalmasse, Pin 16 Dauerplus; die Lage ist modellabhängig. Normbezug: SAE J1962 / ISO 15031-3.
- Pass-Thru (SAE J2534)
- Eine genormte Schnittstelle, mit der ein Computer über die OBD-Buchse Steuergeräte neu programmieren kann. SAE International hat die Anforderungen 2004 vereinheitlicht, damit ein Interface mit der Software verschiedener Fahrzeughersteller arbeitet. Für Laien spielt das kaum eine Rolle.
- Permanenter Fehlercode
- Ein Fehlercode, den ein Diagnosegerät nicht löschen kann. Laut ELM327-Datenblatt setzt nur das Steuergerät selbst ihn zurück; der Löschbefehl lässt ihn stehen.
- PID (Parameter ID)
- Die Kennnummer eines Messwerts innerhalb eines Diagnosemodus, zum Beispiel PID 05 für die Kühlmitteltemperatur im Modus 01. Die genormten PIDs beschreibt SAE J1979 bzw. ISO 15031-5; Hersteller können eigene ergänzen.
- Readiness (I/M-Prüfbereitschaft)
- Zeigt, ob das Fahrzeug seine Selbsttests der Abgasanlage abgeschlossen hat. Manche Prüfungen, etwa die des Katalysators, laufen nur unter bestimmten Fahrbedingungen. Nach dem Löschen des Fehlerspeichers stehen sie wieder auf „nicht abgeschlossen“.
- Servicefunktion
- Eine herstellerspezifische Funktion wie Ölservice zurücksetzen, elektrische Parkbremse in den Wartungsmodus fahren, Batterie anlernen oder Partikelfilter-Regeneration anstoßen. Ob ein Gerät sie bei deinem Auto anbietet, hängt von Marke, Modell und Gerätesoftware ab; reine Codeleser können das nicht.
- Steuergerät
- Ein kleiner Computer im Auto, der ein System regelt – Motor, Getriebe, ABS, Airbag oder Komfortfunktionen. Jedes Steuergerät hat eine eigene Adresse, über die das Diagnosegerät es anspricht.
Oft gefragt
Was bedeutet DTC beim Auto?
DTC steht für Diagnostic Trouble Code, auf Deutsch Fehlercode. Das Steuergerät legt ihn ab, wenn es eine Störung erkennt. Der fünfstellige Code beginnt mit einem Buchstaben für das System (P, C, B oder U); die erste Ziffer zeigt, ob er genormt oder herstellerspezifisch ist.
Was heißt bidirektional bei einem Diagnosegerät?
Bidirektional heißt, das Gerät kann Bauteile auch ansteuern, nicht nur Daten lesen – etwa ein Ventil kurz öffnen lassen, um dessen Funktion zu prüfen. Das nennt man auch Aktiv- oder Stellgliedtest. Einfache Codeleser und die meisten ELM327-Adapter mit Standard-App können das nicht.
Quellen
- Wikipedia: On-Board-Diagnose (Pinbelegung, Protokolle, Readiness, PID)
- Elm Electronics: ELM327-Datenblatt (Modi, PIDs, Löschen von Fehlercodes, S. 35–36)
- BGS technic: Bedienungsanleitung OBD II (EOBD) Fehlerdiagnosegerät Art. 6648 (EOBD, Standbild, I/M-Prüfbereitschaft)
- HELLA Tech World: Elektrisches Abgasrückführungsventil (Stellgliedtest)
- Wikipedia (englisch): Passthrough device / SAE J2534
- § 19 StVZO – Erteilung und Wirksamkeit der Betriebserlaubnis
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Wer hier auswertet
Redaktion kfz-diagnosegeraet.de
Kfz-Diagnose · Kaufberatung
Wir sind die Redaktion von kfz-diagnosegeraet.de. Wir werten Herstellerangaben, Bedienungsanleitungen, Normen und EU-Vorschriften zur On-Board-Diagnose sowie veröffentlichte Fremdtests aus und ordnen Diagnosegeräte danach ein, welche Aufgabe sie an welchem Auto lösen. Eigene Geräte- oder Labortests machen wir nicht, und bei Bremse, Airbag und Abgasanlage verweisen wir auf Herstelleranleitung und Fachwerkstatt.
- Herstellerangaben & Anleitungen ausgewertet
- Normen und EU-Vorschriften als Beleg
- Keine eigenen Tests – offen gesagt
- Sicherheitsgrenzen bei Bremse, Airbag, Abgas